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Rathaus von Sarajevo (Vijećnica)

Die Vijećnica ist das prächtigste öffentliche Gebäude aus der österreichisch-ungarischen Zeit Sarajevos und erhebt sich am Ufer der Miljacka. Errichtet zwischen 1892 und 1894 nach Plänen des tschechischen Architekten Karel Pařík, mit Beiträgen von Alexander Wittek und Ćiril Iveković, wurde das Gebäude am 20. April 1896 offiziell eröffnet und diente fortan als Rathaus der Stadt.

TypGeschichte und Kultur / Historische Orte
StädteSarajevo
Lage43.859100, 18.433200

Wichtige Fakten

Die Vijećnica ist das prächtigste öffentliche Gebäude aus der österreichisch-ungarischen Zeit Sarajevos und erhebt sich am Ufer der Miljacka. Errichtet zwischen 1892 und 1894 nach Plänen des tschechischen Architekten Karel Pařík, mit Beiträgen von Alexander Wittek und Ćiril Iveković, wurde das Gebäude am 20. April 1896 offiziell eröffnet und diente fortan als Rathaus der Stadt.

Was ist die Vijećnica?

Die Baukosten beliefen sich auf rund 984.000 österreichisch-ungarische Kronen und machten die Vijećnica zu einem der aufwendigsten öffentlichen Bauprojekte ihrer Zeit in Bosnien. Ihre Lage an der Obala Kulina bana prägt bis heute die Flusssilhouette der Altstadt.

Warum ist der Baustil so bemerkenswert?

Das auffälligste Merkmal der Vijećnica ist ihr pseudo-maurischer Stil, der sich an der islamischen Kunst Spaniens und Nordafrikas orientiert. Farbige Steinbänder, Hufeisenbögen und ein kunstvoll gestalteter Innenhof spiegeln die Suche der Verwaltung nach einer eigenen architektonischen Identität in Bosnien wider. Das Gebäude zählt zu den meistfotografierten Bauwerken Sarajevos.

Das Herzstück ist der glasüberdachte Innenhof, umgeben von mehrstöckigen Galerien, der Tageslicht bis in die zentrale Halle lenkt. Die gelb-braun gestreiften Fassadenbänder und die kunstvollen Fensterbögen schaffen eine im damaligen Europa seltene Synthese aus östlichen und westlichen Formensprachen, die spätere öffentliche Bauten der Stadt beeinflusste.

Wie verlief die Bibliothekszeit und die Zerstörung von 1992?

Ab 1949 beherbergte das Gebäude die Nationale und Universitätsbibliothek von Bosnien und Herzegowina mit rund 1,5 Millionen Bänden. Am 25. August 1992, während der Belagerung von Sarajevo, setzten serbische Streitkräfte das Gebäude durch Artilleriebeschuss in Brand; etwa 700 Manuskripte und seltene Handschriften gingen mit einem Großteil des Bestands verloren. Der Verlust wurde zum Symbol kultureller Kriegszerstörung.

Inmitten der brennenden Ruinen wurde der Cellist Vedran Smailović zu einer bekannten Figur des kulturellen Widerstands: Seine öffentlichen Auftritte zwischen den Trümmern der Bibliothek fanden weltweite Beachtung und machten die Zerstörung der Vijećnica zu einem der eindrücklichsten Bilder der Belagerung von Sarajevo.

Was erwartet Besucher heute?

Zwischen 1996 und 2013 wurde die Vijećnica mit Unterstützung Österreichs, der Europäischen Kommission und Barcelonas umfassend restauriert und öffnete am 17. Juli 2014 wieder ihre Türen. Heute beherbergt das Gebäude das Büro des Bürgermeisters und den Stadtrat von Sarajevo sowie einen für Besucher zugänglichen, prunkvollen Innenhof mit Ausstellungsräumen nahe der Baščaršija.

Die Restaurierung kostete rund 25 Millionen Konvertible Mark (etwa 13 Millionen Euro) und zielte darauf ab, sowohl die statische Substanz als auch die originalen dekorativen Details so originalgetreu wie möglich wiederherzustellen. In den oberen Ausstellungsräumen können Besucher heute Dokumente zur österreichisch-ungarischen Ära und zur Belagerungszeit der Stadt besichtigen.

Warum ist die Vijećnica historisch so bedeutend?

Das Gebäude ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch der Ort des letzten offiziellen Empfangs für Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914, kurz vor seiner Ermordung, die den Ersten Weltkrieg auslöste. Damit vereint die Vijećnica den Glanz der Habsburgerzeit mit zwei der prägendsten Traumata des 20. Jahrhunderts unter einem Dach.

Diese doppelte historische Schicht unterscheidet die Vijećnica von anderen Baudenkmälern Sarajevos: Dasselbe Gebäude ist sowohl Zeuge kaiserlicher Pracht als auch der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte. Als geschütztes Nationaldenkmal bietet die Vijećnica Besuchern heute die Möglichkeit, das vielschichtige Gedächtnis der Stadt an einem einzigen Ort zu erleben.

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